| Freitag, 17. Oktober 2008 um 19:58 | |||||||||||||
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Geschichte aus den 80zigern der Häuserkampf Der Häuserkampf in Kreuzberg Ende der sechziger Jahre bricht die erste Abriss- und Neubauwelle über die alten Kreuzberger Stadtquartiere herein. Ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Bewohner werden ganze Häuserblöcke abgerissen und durch anonyme Betonburgen wie z. B. das »Neue Kreuzberger Zentrum« am Kottbusser Tor ersetzt. Diese Form der Sanierungs- und Wohnungsbaupolitik, die preiswerten Wohnraum und nachbarschaftliche Sozialstrukturen zerstört, gelangt als Kahlschlagsanierung zu zweifelhaftem Ruhm. Mitte der siebziger Jahre artikuliert sich dagegen jedoch immer lauter der Protest von Mietern, alternativen Gruppen und engagierten Kirchenvertretern. Daraufhin veranstaltet die Senatsbauverwaltung 1977 den Wettbewerb »Strategien für Kreuzberg«, der den Betroffenen die Möglichkeit geben soll, bei der Sanierung des Kreuzberger Stadtteils SO 36 mitzuentscheiden. »Lieber instandbesetzen als kaputtbesitzen« Im Zusammenhang mit den »Strategien für Kreuzberg« entsteht u. a. die Bürgerinitiative (BI) SO 36, die Missstände der Sanierungspraxis (Wohnungsleerstand, unterlassene Instandhaltungsmaßnahmen der Eigentümer usw.) anprangert und so die Betroffenheit der Bewohner organisiert. Nachdem Appelle und Anzeigen beim Landeswohnungsamt erfolglos geblieben sind, besetzen Mitglieder der BI SO 36 am 3. Februar 1979 demonstrativ zwei leer stehende Wohnungen der senatseigenen Wohnungsbaugesellschaft BeWoGe, um der Forderung nach Wiedervermietung von ca. 300 Wohnungen in SO 36 Nachdruck zu verleihen. Die Besetzer beginnen sofort mit der Instandsetzung und prägen den öffentlichkeitswirksamen Begriff »Instandbesetzung«, der bei der Kreuzberger Bevölkerung auf viel Sympathie stößt. Die Aktion der BI SO 36 hat Erfolg, denn die BeWoGe bietet wenige Tage später für ca. 40 leer stehende Wohnungen Instandsetzung und Wiedervermietung an. Am 26. November 1979 wiederholt die BI ihre sanierungspolitische »Propaganda der Tat« mit erneuten Wohnungsbesetzungen in der Cuvrystraße. Mittlerweile wird diese Aktionsform auch von anderen Gruppen aufgegriffen. So besetzen arbeitslose Jugendliche am 8. März 1979 eine leer stehende Fabriketage in der Waldemarstraße 33 und am 7. September 1979 das Haus Leuschnerdamm 9, um dort kollektiv wohnen und arbeiten zu können. Im Frühjahr 1980 gehen die Hausbesetzungen weiter, denn viele Gruppen aus der Alternativbewegung suchen nach geeigneten Räumen, um neue Formen des Zusammenlebens und -arbeitens auszuprobieren. Ende März 1980 schließen sich die Kreuzberger Instandbesetzer im Besetzerrat K 36 zusammen, damit der Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Häusern sichergestellt ist und ein gemeinsames Vorgehen (Öffentlichkeitsarbeit, Verhandlungen mit Senat und Eigentümern, Räumungen) koordiniert werden kann.1) Die Polizei räumt an diesem Tag das kurz zuvor besetzte Haus Fraenkelufer 48, woraufhin die Situation eskaliert und in einer schweren Straßenschlacht zwischen Polizei und Instandbesetzern rund um das Kottbusser Tor gipfelt. Plünderungen, Polizeiübergriffe und zahlreiche Festnahmen sowie Verletzte sind die Folge. In den nächsten Tagen kommt es auch am Kurfürstendamm zu Demonstrationen und Straßenschlachten mit hohem Sachschaden. Als Reaktion auf das harte Vorgehen des Senats bricht die Besetzerszene alle Verhandlungen ab, solange die Verhafteten nicht wieder frei gekommen sind. Die Freilassung der Gefangenen ist fortan, neben einer Veränderung der Wohnungspolitik, die zentrale Forderung der Hausbesetzerbewegung in West-Berlin, aber auch der kleinste gemeinsame Nenner dieses überaus heterogenen Protestpotenzials.2) »Keine Atempause - Geschichte wird gemacht. Es geht voran.« (Fehlfarben) Im Frühjahr 1981 nimmt die Hausbesetzerbewegung einen unerwarteten Aufschwung. Fast täglich werden in Kreuzberg und nun auch verstärkt in anderen Bezirken leer stehende Miethäuser instandbesetzt. In Schöneberg (rund um den Winterfeldtplatz) und Charlottenburg (Sanierungsgebiet Klausener-Platz) entstehen neue Zentren der Besetzerszene. Die Bewegung nutzt das Machtvakuum, das durch den Legitimationsverlust des Berliner Senats (Garski-Bauskandal, Wohnungsnot usw.) entstanden ist, und geht in die Offensive. Träume von einer »Freien Republik Kreuzberg« scheinen wahr zu werden. Eine eigene Infrastruktur der Szene entsteht: ein Frauenstadtteilzentrum, ein Bauhof für Besetzer, das Kunst- und Kulturzentrum »KuKuCK«, ein Kinderbauernhof, ein Gesundheitszentrum im »Heilehaus« usw. Der SPD/FDP-Senat unter der Führung von Dietrich Stobbe tritt am 15. Januar 1981 zurück. Ein Interims-Senat unter Hans-Jochen Vogel (SPD) regiert bis zu den von der Opposition durchgesetzten Neuwahlen weiter. Der Vogel-Senat entwickelt die »Berliner Linie der Vernunft«. Danach sollen besetzte Häuser nur dann geräumt werden, wenn die Eigentümer es beantragen und die Voraussetzungen für einen sofortigen Beginn von Sanierungsmaßnahmen vorliegen. »Legal - illegal - scheißegal«? Die Eskalation der Gewalt führt im alternativen Spektrum zu verstärkten Anstrengungen, eine friedliche Lösung zu erreichen. Es beginnt eine intensive Diskussion über verschiedene Trägermodelle, die eine Legalisierung besetzter Häuser ermöglichen sollen. In Kreuzberg gründet die Bezirksverordnetenversammlung einen Sonderausschuss, der Vorschläge für eine politische Lösung des Hausbesetzerproblems entwickeln soll. Als Ergebnis dieser Bemühungen schließen sich am 13. November 1981 sowohl die senatseigenen Sanierungsträger als auch die Privateigentümer besetzter Häuser einem Räumungsmoratorium bis Ostern 1982 an, um den Diskussionsprozess nicht zu gefährden. Einzelne besetzte Häuser in Kreuzberg schließen jetzt Mietverträge ab oder werden als Selbsthilfeprojekte, betreut vom Sozialpädagogischen Institut der Arbeiterwohlfahrt, legalisiert. Versuche der Besetzerszene, wieder offensiv zu agieren und neue Häuser zu besetzen, bleiben erfolglos. Im Vorfeld eines Besuchs von US-Präsident Reagan im Juni 1982 kommt es zum so genannten Lappenkrieg. Besetzer hängen Protesttransparente aus ihren Fenstern, und die Polizei entfernt sie wieder. Als Schritt zur Legalisierung schließen sich am 4. Juli. 1982 acht besetzte Häuser aus SO 36 in einer selbstverwalteten Genossenschaft (S.H.I.K.) zusammen.4)Die Legalisierungsbemühungen von Vermittlern, Bausenator Rastemborski und alternativen Sanierungsträgern wie NETZBAU (später STATTBAU), werden jedoch immer wieder von der Räumungspolitik des Innensenators Lummer torpediert. So wird z. B. das Haus Willibald-Alexis-Straße 43 am 1. Juli 1983 kurz vor der Vertragsunterzeichnung polizeilich geräumt. Die Spaltung der Besetzerbewegung in Verhandler und Nicht-Verhandler wird dadurch noch verstärkt. Als die Polizei im Sommer 1983 die Hochburg der Nichtverhandler-Fraktion am Leuschnerdamm räumt, führt dies noch einmal zu Krawallen in SO 36. Erst im September 1983 unterzeichnet der Senat einen Vertrag mit STATTBAU, wodurch acht besetzte Häuser in Kreuzberg legalisiert und selbstverwaltet saniert werden können.
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| Aktualisiert ( Dienstag, 12. Mai 2009 um 09:36 ) |

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