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Artikel aus dem ‚Sounds’, 21July 1979 Bluebeat und Ska im ‘79er Stil - wie Robbi Millar erklärt wurde
Wir haben Punk und Funk gehabt, Pub Rock und Disco. Jetzt haben wir Mod und Ska. Also – was kommt als Nächstes dran? Aus dem Weg – hier kommt ‚der Verrückte Sound von Madness’! Was sagst du? Haste Madness noch nicht gesehen? Wo bist du denn g e w e s e n, lieber Leser?
Heute Abend ist es der Hope & Anchor. So schwül das sogar die Wände am Schwitzen sind und ein Hitzedunst über den 6 unglaublich talentierten Künstlern auf der Bühne schwebt. Komische bunte Mischung, das Publikum. Punks und Studenten und Mods und Skins. Und sie tanzen alle. Trotz des erheblichen Risikos der Selbstvernichtung durch Verdunsten. Das ist aber nicht weiter überraschend – dies ist die purste Form von Tanzmusik die ich durch viele Konzert Besuche hindurch gehört habe. Sie ist absolut unwiderstehlich. Man nehme den Sound von den Specials, Rummel-Stil gespielt, dann füge man Cockney (Kilburn – wie in ‚& The High Roads…) Gesang hinzu. Dann mische man noch eine Priese Saxophon hinein, welches eine Melodie spielt die einem Schauer über den Rücken jagt – und da habt ihr’s – das ist – Madness! (Wahnsinn!) Klar, die Presse und die Plattenfirmen haben schon seit geraumer Zeit von ‚Madness’ geschwärmt. (Ganz viele Leute haben mir den ‚Heißen Iip’ gegeben, mir doch mal Madness anzuschauen). Und es wird gemauschelt das sich auf ihren Konzerten so viele A&R Männer tummeln das Einlass fast unmöglich sei für den gewöhnlichen Kunden. Und, jetzt da ich sie zweimal gesehen habe, weiß ich auch warum – es ist der ‚Nutty Sound’! Chris erklärte mir: ‚ Der ‚Nutty Sound’ ist etwas das Lee Thompson, der Saxophon Spieler, erfunden hat. Weil unsere Musik sich anhört wie auf’m Rummel, oder auf dem Jahrmarkt, und so. Es hört sich einfach – verrückt an!’ Und es hört sich wirklich o r i g i n a l an – auch wenn offensichtliche Vergleiche gemacht werden (Specials) und eine Verbindung mit dem Ska/Bluebeat Revival besteht.
Der individuelle Sound von Madness, so wie er jetzt ist, brodelt seit etwa einem Jahr vor sich hin. Die Band hat angefangen mit Lee, und Mike Barson, dem Pianisten und Orgel-Experten, und einigen Freunden. Wechsel, Wechsel und noch mehr Wechsel. ‚Niemand war irgendwie gut für uns’ sagt Mike. ‚Wir brauchten Leute die ihre Instrumente tatsächlich spielen können’. Suggsy kam dazu, als der offensichtlich richtige Sänger, und der Rest fand sich von selbst. Chrissy Boy an der Gitarre (er sieht erstaunlicherweise Barry Sheene sehr ähnlich), Woody (nicht der von den Bay City Rollers!) am Schlagzeug, und Mark Bedford am Bass. Wer schreibt die Lieder? ‚Das machen wir eigentlich alle, obwohl Noten lesen und schreiben nicht so unsere Stärke ist’ erklärte Mike. Suggsy mischte sich ein, ‚da er g a r kein Instrument spiele, würde er die Wörter schreiben’. Aber sie machen das alles zusammen. Das ist einer der stärksten Eindrücke über diese Gruppe. Obwohl sie nicht wirklich zusammen rumhängen, sind sie eine Arbeitsgemeinschaft. Sie wollen w i r k l i c h das Madness Erfolg hat. Das wird passieren – und bald. ‚Ganz viele Plattenfirmen sind augenblicklich an uns interessiert’ sagt Mike, der der Vernünftigste und Zurechnungsfähigste von ihnen Allen zu sein scheint. Sire und Virgin werden besonders erwähnt, aber es steht noch nichts fest. Die Auswahl haben die Jungs. Eine erste Single, ‚The Prince’, erscheint am 10. August auf dem Two Tone Records Label, das Tribut der Band an Prince Buster, ihren größten Einfluss. Auf der B-Seite ist eine ihrer wenigen Cover Versionen, ‚Madness’ – wenige weil, ‚wir ziehen es natürlich vor unser eigenes Zeug zu spielen’. Übrigens, ‚Madness’ war die Inspiration für den einzigen Namen den alle Band Mitglieder akzeptieren konnten. Zuvor, ehe Chris plötzlich diesen Vorschlag machte, waren sie bekannt als die ‚North London Invaders’. Aber ‚Madness’ spiegelt sicherlich den Geist des Verfahrens am Besten wider! Tour mäßig haben Madness bereits die verschwitzte Kneipen-Szene hinter sich, und sie werden die Vorband für die Specials im Electric Ballroom in London am 21. Juli sein. Sie haben einen Wunsch – einen anständigen, t a n z b a r e n Veranstaltungsort für ein Konzert. Suggsy erzählte mir: ‚Zuerst kamen nur unserer Freunde zu unseren Konzerten, aber während der letzten zwei Monate ist das Publikum immer zahlreicher geworden, und jetzt müssen sie Leute abweisen in Kneipen wie dem ‚Hope & Anchor’ weil die nicht groß genug sind. Wir spielen Musik zum tanzen, aber es ist nie genug Platz zum tanzen!’ So, falls der Manager des ‚Music Machine’ das hier zufällig liest… Madness sind sich der Probleme bewusst, die es mit sich bringt, ‚Mode’ zu sein. Zusammen mit dem Mod Revival ist momentan eine Rückkehr zu Bluebeat und Ska angesagt und sie stecken mitten drin. Das bereitet ihnen Sorge. ‚Wir wollen das Leute auch in Zukunft noch über den Madness Sound reden’ sagte Chris. ’Wir wollen nicht das Leute von uns denken wir seien nur Teil irgendeines Revivals, weil, wenn die Mode dann abgesagt ist, hört man von den Bands, die sich nur auf eine Mode verlassen haben, keinen Ton mehr.’ Madness werden, behaupten sie, mit der Zeit gehen und sie haben arbeiten an einer ganzen Menge neuer Songs. Inzwischen saßen wir alle auf dem Dach eines fotographischen Studios im finstersten Islington herum, nebst Deko-Zimmerpflanzen. Drinnen schwebten männliche und weibliche Modelle durch die schneeweißen Räume. Alles sehr schick und ich hatte den Eindruck das Madness sich ein ganz klein wenig fehl am Platze vorkamen. (Bitte berichtigt mich falls dem nicht so war!) Ich fragte sie, ob sie berühmt werden wollen. ‚ Ja - klar’, grinste Woody. ‚ Aber eigentlich geht’s uns am meisten um die Musik. Wir wollen das die richtig gut ist.’ Man muß es ihm lassen, er ist der Jimmy Pursey der Band – quatscht und quatscht endlos ohne viel zu sagen…aber er ist ‚tiefgründig’ und es kommt alles vom Herzen, was er sagt. So sind sie irgendwie allesamt. Also – da sind sie, diese fünf ganz gewöhnlichen Jugendlichen (der sechste, Lee, war gerade unterwegs auf einer privaten, anscheinend sehr heimlichen Mission, aber er ließ grüssen) und musikalisch sind sie sehr viel besser als sie es sich bewusst sind (finde ich). Sie haben ganz normale Jobs, wie Gärtner – das scheint s e h r populär zu sein – Maler und der, der den Tee macht. Einige von ihnen haben noch nicht mal einen Job. Und sie wohnen alle in Nord London. Es gibt ein kleines Problem mit den Fans weil einige Skins der Bluebeat Spur bis zu ihnen gefolgt sind und jetzt kommen um zuzuschauen und zu randalieren. ‚Das allerletzte was wir wollen ist einen gewalttätigen Ruf für uns oder unsere Fans’ erklärte Suggsy. Ich kann mich an den Ärger, den die Merton Parkas im Moonlight Club hatten, erinnern, aber Madness werden ihre Probleme selbstständig regeln. Sie werden in Zukunft sogar ihre eigene Publicity machen. Ein letztes Wort von Chris. Er sagt das, wenn man eine Gitarre stimmt, muss man sich nur um die dünnen Saiten kümmern – die dicken kommen dann von ganz alleine. Ein ziemlich wahrer Kommentar was das Musikgeschäft angeht, besonders so wie Madness die Sache anpacken. Also, falls ihr es immer noch nicht geschafft habt, dieses herrliche Sextett zu sehen, beeilt euch! Es wäre ‚Wahnsinn’ sie zu verpassen“ Zurück zur Übersicht
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