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Ursprung der Skinhead Szene
Montag, 20. Oktober 2008 um 18:05


   
  

Ursprung der Skinheadszene

Klischees sind irgendwie toll, oder? Man muss nicht sonderlich viel nachdenken, kann eine Meinung adaptieren und in dumpfen Sprüchen im Freundeskreis wiedergeben. Das Skinhead Klischee gehört dazu. Die Medien versorgen uns fast täglich mit Neuigkeiten. Menschen anderer Herkunft und Couleur werden gejagt, gehetzt, verprügelt. Das stimmt mehr als nachdenklich.Sind Skinheads alle rechts? Wer hinterfragt eine Reportage, die im Fernsehen ausgestrahlt wird? Dieses Thema hat viele Facetten, die eine 5-10 Minuten Reportage nicht abdecken kann. Ein parteiloser, historischer Abriss der Skinheadszene.

Ein »Skinhead«, lässt man die politische Einstellung erstmal außen vor, ist zunächst im wahrsten Sinne des Wortes ein »Hautkopf«. Die Bewegung entstand in den 60iger Jahren inEngland. An vielen Stellen liest man das Jahr 1969 als Anfangsjahr der Bewegung. Doch gab es auch schon vor diesem Zeitpunkt »Skinheads«, die nur nicht so bezeichnet wurden. Doch sie kleideten sich ähnlich. England, East London, ein Arbeiterviertel. Viele Einwanderer aus Jamaika, aus Teilen der Westindischen Inseln und Weisse aus der Arbeiterklasse wohnen hier. Ganz im Gegensatz zu den Nazi-Skins hat sich die Skinhead Bewegung am Anfang ihrer Entstehungsgeschichte gemeinsam gebildet. Die schwarzen »Rude Boys« und die »weissen Mods« erleben gemeinsam die schwarze Musik. Zu dieser Zeit hauptsächlich Northern Soul, Ska und auch Early Reggae. Man hatte also einen Ursprung. Aus dieser Gemeinsamkeit heraus entstand die Skinhead Bewegung. Diese begann sich auch schnell von den Mods abzugrenzen. Mods erkannte man an ihrem guten Kleidungsstil. Sie versuchten ihre Herkunft aus der Arbeiterklasse oder der mittleren Unterschicht zu verbergen, fuhren Motorroller (hauptsächlich Vespas oder Lambrettas), hatten Parker an und hörten The Who. Wer Lust hat sich damit etwas näher auseinanderzusetzen, der sollte sich den Film Quadrophenia besorgen.

Britischer Skinhead, Lex, auf einer geflexten Vespa, fotografiert von Layla May, in Lewes, England 1991 or 1992.

Zurück zum Thema. Zu dieser Zeit gab es die diversesten politischen Einstellungen in der Skinheadszene, diese waren aber auf keinen Fall rechtsradikal gelagert. Ähnlich wie im Reggae heute, ging es damals um Rebellion, um das »Gehört werden« und vielleicht ein Stück weit auch um das »Herausstechen« aus der restlichen Gesellschaft. Irgendwie musste man sich auch von den »Hippies« dieser Zeit stark abgrenzen. Dann kam Anfang der 70iger Jahre Aretha Franklin mit ihrem Album »Young, Gifted and Black«. Der Titel des Albums basiert auf einem Lied von Nina Simone´s namens »To be young, gifted and black«, das 1970 auf Simone´s Album »Black Gold« erschien. Damit räumte Aretha Franklin einen Grammy ab.

Original Lyrics von Nina Simone »To be young, gifted and black« (1969)
 


To be young, gifted and black,
Oh what a lovely precious dream
To be young, gifted and black,
Open your heart to what I mean

In the whole world you know
There are billion boys and girls
Who are young, gifted and black,
And thats a fact! 

Young, gifted and black
We must begin to tell our young
Theres a world waiting for you
This is a quest thats just begun

When you feel really low
Yeah, theres a great truth you should know
When youre young, gifted and black
Your souls intact

Young, gifted and black
How I long to know the truth
There are times when I look back
And I am haunted by my youth

Oh but my joy of today
Is that we can all be proud to say
To be young, gifted and black
Is where its at

So weit so gut, aber die weissen Skinheads konnten sich nur schwerlich mit diesem Lied identifizieren. Nicht nur das, sie boykottierten Lieder dieser Art. Die schwarzen Skinheads begannen sich immer mehr dem politischen Reggae hinzugeben. Denn der Beat des Ska verlangsamte sich und der Reggae war zu dieser Zeit gerade in seiner Gründungsphase. Große Musiker wie Bob Marley oder Jimmy Cliff traten auf die Bühne, fanden unter den schwarzen Skinheads ihre Anhänger. Das konnte nicht gut gehen. Um es in Bob Marleys Worten zu sagen:

 

Die historischen Erfahrungen der weissen Arbeiterklasse waren nicht die gleichen wie die der Schwarzen oder Asiaten

 Die Teilung der Skinheadszene begann. Nicht nur äusserlich, auch innerlich. Wo sich vorher die unterschiedlichsten politischen Meinung in einer Szene wiederfanden, so bildeten sich jetzt die unterschiedlichen Gruppen nach politischer Gesinnung. Ein weitereer Grund für die Aufsplittung der Szene liegt am England der damaligen Zeit selbst. Die Regierung unter Führung von Margaret Thatcher machte Stimmung gegen die »Ausländer« im eigenen Land und heizte dadurch die Szenerie weiter an. Die Polizei verprügelte zu dieser Zeit fast willkürlich afro-karibische Skinheads. Wurde die Szene gar durch die Politik geteilt? Zumindest ist dies ein wichtiger Punkt, über den man nachdenken sollte. Die unterschiedliche ethnische Abstammung war das Mittel der damaligen Elite Englands um die Arbeiterklasse klein zu halten. Die Regierung selbst versuchte mit allen Mitteln die unterschiedliche ethnische Herkunft in den Vordergrund zu stellen. Gleichzeitig wurden jedoch in diesen Jahren viele weitere Einwanderer benötigt, um die Wirtschaft weiter auszubauen.

Was also tun? 1970 konnte der rechtsradikale konservative Politiker Enoch Powell die ersten 40 Skinheads für seine rechte Gesinnung gewinnen. Am meisten mussten die pakistanischen Einwanderer darunter leiden. Sie wurden immer wieder verprügelt, da sie am wenigsten Widerstand leisteteten. Nicht von genau diesen 40 Skinheads, sondern von vielen, die sich auf einmal diesen anschlossen. Warum? Wie konnte es dazu kommen? »British Movement« und die »National Front« versuchten ständig Skins »abzuwerben«, um sie für ihre rassistische Ideologie zu gewinnen und einzusetzen. Da die Skins schon etwas furchteinflössend aussahen haben sie sich genau die Skinheadszene ausgesucht. Gebraucht würden Schlägertruppen und Laufburschen, die in ihrem politischen Sinne handelten. Und was machte die Mehrheit der Skinheadszene zu dieser Zeit?

Sie rief die größte Skinheadkampagne gegen den vorherrschenden Rechtsradikalismus ins Leben: »Get your strength thru Oi!« Dies wurde höchstwahrscheinlich aus dem englischen Spruch »Strength through Joy!« abgeleitet. Aus »Joy« wurde »Oi«. Dies könnte man frei mit den Worten »Hol Dir deine Kraft durch Freude« übersetzen. Die Skinheads seinerzeit wollten zeigen, dass »Oi« nicht für Rassismus steht, sondern für das Gegenteil, also antifaschistisch ist. Und was macht man, wenn man von einem Gedanken überzeugt ist und diesen weiterverbreiten möchte? Man wird aktiv. So wurde 1981 ein »Oi!« Festival ins Leben gerufen. Was allerdings nicht geplant, aber auch nicht zu vermeiden war ist, dass dieses Festival im asiatischen Viertel von Southall stattfand. Dort wohnten Asiaten, die sich schon von der »National Front« und deren »Boneheads« (dazu später mehr) bedroht fühlten. Am Festivaltag waren 500 Fans vor Ort, darunter 250 Skinheads. Leider mischten sich unter diese »Oi« Skins auch ca. 100 Skinheads mit rechtsradikaler Gesinnung. Bei einem Konzert eskalierte die Situation und asiatische Gangs drangen ein und steckten den Saal in Brand. Eine Bewegung gegen Rassismus rief also eine der stärksten Rassenunruhen hervor. »Oi« ging seinem Ende entgegen. Gleichzeitig veränderte dieses Ereignis die gesamte Skinheadszene.

1988 gründeten sich aus antifaschistischem Denken heraus die sogenannten »SHARP« Skins in Amerika. SHARP steht für »Skinheads Against Racial Prejudice«. Wie bitte? Noch eine Skinheadgruppe, die nicht rechts orientiert ist? SHARP will die Bewegung der »Oi!« Skins wieder aufleben lassen, das bedeutet direkt zurück zu den Wurzeln der Bewegung: der Arbeiterbewegung und ihrer schwarzen Musik, dem Ska. Das Motto der SHARP Skins ist »Denke mit dem Kopf und nicht mit den Stiefeln«. Jah bless bleib mir da nur zu sagen.

Oddy Moreno, der Sänger der Band »The Oppressed«, soll gesagt haben:
 

Kein Skin kann Rassist sein, weil er sonst seine schwarzen Wurzeln verleugnet.

 

Fast vergessen – die Boneheads oder auch Baldheads
Bekanntermassen haben Skinheads ziemlich kurze bis gar keine Haare. Jedoch war die Standardfrisur zu den Anfängen ein #5 oder #6 Crop. Das sind ca. 1,2 bis 1,6 cm. Niemand hatte eine komplette Glatze am Start. Vielmehr noch: rechtsextreme Skins wurden von den anderen Skinheads als »Boneheads« bezeichnet, denn ihre »Frisur« ist selbst für die Skinheadszene extrem kurz, nämlich kahl. Meist nass rasiert oder nur wenige Millimeter lange Haare kennzeichnen in den meisten Fällen die Naziskins. Wir kennen ein ähnliches Wort aus unzähligen Reggae Tunes, den »Baldhead«, so z.B. »Those Crazy Baldheads« von Bob Marley:

 

Them crazy, them crazy
We gonna chase those crazy
Baldheads out of town
Chase those crazy baldheads
Out of town

 

Die Skinheadwelle schwappte auch nach Deutschland über. »Punks« standen vor dem Aus. Doch die Mehrzahl der Skinheads haben nicht die Hintergründe der eigenen Bewegung mitbekommen. Vielmehr wurden sie vom Medienbild mitgeprägt. Dort wurde und wird ausschliesslich über Naziskins berichtet. Somit konnten die meisten Skinheads in Deutschland niemals zu den Wurzeln »Ihrer« Bewegung vordringen. Klar, woher soll man etwas wissen, wenn es einem keiner sagt. Oder hat jemand von Euch schonmal einen TV Bericht über eine antirassistische Skinhead Demonstration gesehen? Spätestens jetzt sollte es »Klick« machen. Ein Skinhead in seiner ursprünglichen Bezeichnung ist nicht rechtsradikal.

Eine weit verbreitete These – die Farbe der Schnürsenkel

Old OI Skinhead aus Berlin

Vielen von Euch ist sicherlich auch das Thema »Schnürsenkelfarbe« in Springerstiefeln ein Begriff. Angeblich soll man die politische Einstellung eines Skinheads an der Farbe der Schnürsenkel erkennen? Der Ursprung der unterschiedlichen Schnürsenkelfarben ist schnell erklärt. Skinheads waren früher zu grossen Teilen Fussball Anhänger. Wollte ein Skinhead in England ein Stadion betreten, so musste er seine Schnürsenkel beim Betreten des Stadions abgeben. So wurde versucht Schlägereien im Stadion zu vermeiden. Doch die Skins banden sich statt Schnürsenkeln einfache Fäden in ihre Schuhe. Diese hatten allerlei Farben, was eben gerade vorhanden war. In der heutigen Zeit hält sich tapfer der Mythos, dass man Naziskins an weissen Schnürsenkeln erkennen kann, da diese Farbe ihre Kampfbereitschaft symbolisiere. Weiss soll hierbei für »White Power« stehen. Wenn man jedoch die Anfänge zurückverfolgt, dann ist dies nur ein Mythos. Mal abgesehen davon, dass die geistig größten Nazis wohl eh nicht mit Bomberjacke und Springerstiefeln umherlaufen, gibt es doch auch weitere Erklärungen für weisse Schnürsenkel. Kurz erinnert: zu Beginn der Skinheadszene waren Schwarz und Weiss vereint, man hörte gemeinsam Musik, feierte zusammen. Also könnten weisse Schnürsenkel und schwarze Stiefel auch für die Zusammengehörigkeit von Schwarz und Weiss stehen. Bei der zweiten Ska Welle in England war das Label Two Tone federführend. Und woran erkannte man Two Tone? An den schwarz weissen Quadraten, die abwechselnd aneinandergereiht waren, ähnlich einem Schachbrett Muster. Somit ist der Mythos der weissen Schnürsenkel enttarnt.

Jetzt kurz nochmals die einzellnen Unterscheidungen der Richtungen innerhalb Deutschland in kurzform mit Ihren Besonderheiten 

 

Spirit of '69

Um 1966 kam es bei den Mods zu einer Aufsplittung in zwei Richtungen. Die College oder Art Mods begannen sich immer smarter zu kleiden und sich immer mehr auf die Findung neuer Stile, Musik und Drogen zu konzentrieren. Die Gang- oder Hard Mods fühlten sich in den Schlachten, der Gangriots in Brighton zu Hause. Sie entwickelten einen Stil, der ihnen im Kampf hilfreich war. Eng anliegende Kleidung, kurze Haare und stabile Schuhe wurden nun getragen. Die Mods hörten schon in den Anfangstagen Soul und SKA, die Musik der Einwanderer von den Westindischen Inseln. Daran hielten auch die Gang Mods fest. Sie gingen abends in die Clubs um „ihre“ Musik zu hören und zu tanzen. Hier trafen sie auf die farbigen Jugendlichen, die aus ihrer Heimat ihren eigenen Stil mitgebracht haben: die Rude-Boys. Durch die Liebe zur Musik und dem ähnlichen sozialen Hintergrund verstand man sich gut und die Stile begannen sich gegenseitig zu beeinflussen. Zu dieser Zeit gab es viele Namen für diese neue Bewegung: Noheads, Baldheads, Cropheads, oder Peanuts. Man trug schwere Stiefel, enge Jeans , Button Down Hemden und einen Crop. Der Crop ist die Frisur der Skinheads. Sie wird mit einer Schermaschine und Aufsätzen der Länge No.1 – 4 geschnitten. Die Tatsache, dass die Skinheads aus der Arbeiterklasse kamen und schon früh aus der Schule gingen um Geld zu verdienen und die gewonnene Weltmeisterschaft `66 führte dazu, dass sie nicht nur in die Stadien gingen um sich Heimspiele anzugucken. Sie fingen an ihre favorisierten Fußballclubs zu Auswärtsspielen zu begleiten. Hier trafen sie auf gegnerische Fans und führten die „dritte Halbzeit“ ein! Sie lieferten sich erbitterte Schlachten, was die Aufmerksamkeit der Presse erneut auf sie lenkte. Im Jahr 1969 war in der britischen Presse das erste Mal das Wort "Skinhead" zu lesen. Der Stil hatte sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Man trug jetzt Markenware: Button Down Hemden von Ben Sherman, Fred Perry und Jay Tex, Jeans von Levi`s oder Lee und Stiefel von Doc Martens. Die zunehmende Popularität und die einseitige Berichterstattung der Medien führte dazu, dass viele Jugendlichen zu den Skinheads stießen, die nicht sonderlich am Stil der Bewegung interessiert , sondern hauptsächlich auf Gewalt aus waren. Deshalb fingen die älteren Skins an, sich wieder smarter zu kleiden und die Haare gerade so lang wachsen zu lassen, um einen Kamm nötig zu machen. Sie entwickelten wieder mehr Gefühl fürs Detail und wurden bald Smooth oder Suedehead genannt (Suede = engl. Wildleder).



SKA

Der Ska entstand aus dem Mento, der sich in den 40er Jahren aus der jamaikanischen Volksmusik entwickelte. Mento war die erste Musik, die auf Jamaika auf Vinyl festgehalten wurde und so Verbreitung fand. Über die USA flossen in den 50er Jahren Elemente der R&B-Musik in die jamaikanische Musik ein. Durch die technische Entwicklung von Verstärkern und Lautsprechern konnte die Musik in größerer Lautstärke gespielt werden, sodass sie hör- und fühlbar wurde. Die jamaikanische Musik wanderte mit den Einwohnern von ländlichen Gebieten in die Städte, insbesondere nach Kingston. Im Zentrum dieser Stadt entstand eine Club- und Barszene die so genannte Beatstreet. Der amerikanische R&B verlor Ende der 50 er Jahre seinen Hardrockstil und unter der schwarzen Bevölkerung Amerikas kam der Wunsch nach einem weicheren Musikstil auf. Der jamaikanische R&B zeichnete sich durch durchgehende Boogieshuffle, Latinelemente, Swing und Bebops aus, der dritte Schlag im Takt wurde mehr und mehr durch Gitarre und Bass betont. Aus dieser Musikrichtung entwickelte sich Anfang der 60er Jahre, kurz vor der Unabhängigkeit Jamaikas am 4.8.1962 der Ska, der 1966 in Rock-Steady überging. Durch jamaikanische Einwanderer kam Ska in den 60er Jahren nach England, wo er von Mods und Skinheads gehört wurde und Sänger wie Desmond Decker (007) sogar Charterfolge verbuchen konnten.Ska ist und war aber nie tot!!Durch das Ende der 70er Jahre aufkommende Skarevival mit Bands wie den Specials, Bodysnatchers, Selecter, The Beat, Bad Manners und Madness erfuhr die Skamusik eine Wiedergeburt. Bands wie die Busters, Dr. Ringding und viele andere führen diesen Musikstil bis heute fort.



Skinheads und Fußball

Als England 1966 die Weltmeisterschaft gewann, löste dies in Großbritannien einen waren Zuschauerboom aus. Dies bewirkte, dass Jugendliche nicht mehr in Begleitung von Vätern oder Onkeln, sondern mit ihren Kumpels in die Stadien gingen. So wurden 1966 auch die ersten Skinheads in den Fußballstadien gesichtet.Erste Übergriffe seitens der Skinheadmobs geschahen 1968/69: Die Skinheads besuchten die Spiele und zeigten sich neben dem Spielfeld, welches Team das bessere war, alles drehte sich um die Einnahme des gegnerischen Blocks oder der Stürmung des Spielfeldes in der Hoffnung, dass der gegnerische Mob diesen Spaß mitmachte.Diese Verhalten führte dazu, dass die Skinheads vor den Spielen regelrecht gefilzt, ihrer Waffen wie geschliffene Stahlkämme und mitunter auch ihrer Schuhe (wegen der Stahlkappen) erleichtert, und so in ihrem Aktionsradius erheblich eingeschränkt wurden. Nichtsdestotrotz gehören seit dieser Zeit Skinheads zu fast jeder englischen Fußballmannschaft.Wichtig dabei ist es aber, Skinheads nicht mit den Hooligans gleichzusetzen, da sich deren Sozialstruktur stark von der der Skinheadsubkultur unterscheidet.In Deutschland hatten Skinheads mit Fußball zunächst nicht viel am Hut. Das änderte sich Anfang der 80er Jahre, als die Politisierung der Skinheads begann. Einige der ersten Vereine mit großer Anzahl von Skinheads als Fans waren Borussia Dortmund, Hertha BSC und der HSV. Die Skinheads dieser Clubs standen der rechtsgerichteten FAP nah; damals machte es keinen Spaß zum Fußball zu gehen!!! So gingen die Zuschauerzahlen, beeinflusst von den Freunden der dritten Halbzeit und der Skinheads bis 1990 kontinuierlich zurück.Erst die Kommerzialisierung des Fußballs und repressive Maßnahmen seitens der Staatsmacht kehrten diesen Trend um. Inzwischen steigt die Anzahl der Skinheads bei den Spielen wieder, wobei der Hauptteil unpolitisch ist. (Ausnahmen bestätigen hier wie überall die Regel!!!)



OI! Skins

Die Skinheadbewegung starb nie ganz aus. Es gab immer einige Skinheads, die den alten Stil weiter lebten und nicht sehr erfreut waren über das Erscheinen einer ganz neuen Skinheadgeneration. Diese Skinheads entwickelten sich aus desillusionierten Punks, die sich von ihrer immer mehr kommerzialisierten Subkultur verraten fühlten und nun noch mehr „schocken“ wollten als die Kids, die Punk als neue Mode begriffen und in teuren Boutiquen einkauften. Sie vereinnahmten den Begriff Skinhead für sich und überspitzten die äußerlichen Merkmale der ursprünglichen Bewegung. Es wurden Stiefel, abgeschnittene Hosen, T-Shirts und Bomberjacken getragen. Aus den bisher üblichen Ober- oder Unterarmtätowierungen wurden jetzt Gesichts- und Handtätowierungen. Kaum ein Tätowierer, der etwas auf sich hielt hat zu dieser Zeit solche Tattoowünsche erfüllt. So kam es, dass Gesichtstattoos oft von Hinterhoftätowierern oder den Kumpels vorgenommen wurden, was sich nicht gerade positiv auf das Äußere der neuen Skins auswirkte. Bald war der Punk als Mode nicht mehr aktuell und auch die populären Punkbands verschwanden. Man wandte sich den Street-Punk Bands zu, die oft schon vor dem Entstehen des Punks gegründet wurden und bis jetzt ein Dasein als Vorgruppen von bekannten Punkbands fristeten. Bands wie Shame69, Cockney Rejects oder Cock Sparrer wurden jetzt als Stars der neuen Szene gehandelt und von ihren Fans abgöttisch geliebt. Diese Szene bestand aus Punks und Skins der neuen Generation, die den alten Skins und den Teds ein Dorn im Auge waren. Das führte zu erbitterten Straßenschlachten, in denen sich Tradition und Stolz auf die Wurzeln der Subkultur und Respektlosigkeit und Abneigung gegen alles und jeden entgegenstanden.Diese neue Skinheadgeneration und die Tatsache, dass ihre Anhänger keine "schwarze" Musik hörten und ihre Wurzeln nicht mehr mit den farbigen Jugendlichen teilten, ermöglichte es rechtsradikalen Parteien einige der Skins für ihre Zwecke zu rekrutieren. Parteien wie die National Front wurden durch das aggressive Auftreten und das einheitliche Äußere von den Skinheads angezogen. Ihre Überzeugungsarbeit wurde von steigender Arbeitslosigkeit und wachsenden Einwandererzahlen unterstützt. Bald sah man in den Medien (die ohnehin davon überzeugt waren, das Skinheads menschenfressende Hundsöhne waren) nicht nur Bilder von randalierenden Skinheads, sondern von rechtsradikalen Skinheads die Jagd auf Einwanderer machten. Ein gefundenes Fressen für die Medien, für die nun kein Zweifel mehr bestand, das alle Skinheads rechtsradikal sind.............



Redskins

AllgemeinInnerhalb der Skinhead-Bewegung sind bis heute, wie ihr auch bisher gesehen habt, verschiedene politisch ausgerichtete Strömungen zu beobachten. In meinen Ausführungen beschäftige ich mich mit den linksextremistischen Redskinheads.Die Redskinheadkultur entwickelte sich aus der allgemeinen Skinheadbewegung der 60iger und 70iger Jahre. Insbesondere in England und den USA entstand nun eine Bewegung, welche sich antifaschistische, antirassistische und sozialistische Ideale auf die Fahnen schrieb.Der Name "Redskin" kam durch eine Gruppe von Skinheads zustande, die in der Kommunistischen Partei Englands organisiert waren und in Sheffield den Namen Redskin ausriefen.Wie auch die anderen Skinheadbewegungen stehen die Redskins der Arbeiterklasse nahe, hierbei aber insbesondere den kommunistischen und sozialistischen Parteien, sowie in England während der 70iger Jahre auch der Labour-Party, wo sich Ende der 70iger die League of Labor Skins bildete.Redskins sind seit ihrer Existenz im Vergleich zu anderen Skinheadgruppierungen politisch immer besonders aktiv gewesen, hierbei ist aber klar heraus zu stellen, dass sie sich nicht nur brav in linken Parteien organisieren, sondern Sie auch zu extremistischen Mitteln greifen. Sie sind Teil der linksextremistischen Bewegung in Europa sowie in den USA; in Deutschland werden vielerorts Bündnisse mit Antifa-Gruppen und Autonomen gebildet, um die sozialistische Revolution voran zu bringen und Naziskins zu bekämpfen.Zudem erklären sich die Redskinheadgruppierungen oftmals auch solidarisch mit Minderheiten in der Skinheadbewegung, wie z.B. mit dem Gay Skinhead Movement.Die Redskinbewegung an sich ist, wie auch die Skinheadbewegung im ganzen, nicht einheitlich zu sehen, da

  1. nicht alle Redskins politisch sind, sondern auch teils nach dem OI Skin Motto Spaß, Saufen, Sex und Fußball leben
  2. es innerhalb der linken Bewegung starke Abgrenzungen voneinander gibt, z.B. zwischen den anarchistischen RASH-Skinheads und den in sozialistischen Parteien organisierten Redskins, und
  3. es viele Splittergruppen gibt

 Innerhalb der nationalen und internationalen Skinheadbewegungen stellen die Redskins genauso eine Minderheit dar wie in der linksextremistischen Szene. Die international bedeutendste Redskinorganisation ist RASH

RASH

RASH bedeutet Red and Anarchist Skinhead und wurde 1993 von Mitgliedern der Mayday Crew (R.I.P.) in New York gegründet. Es ist ein internationales Netzwerk von antifaschistischen und linksextremistischen Skinheads. Ziele von RASH sind :

 *       Klar zu machen, dass nicht alle Skins rassistisch sind, und die Wurzeln der Skinheadsubkultur schon gar nicht

*       Die Skinheadsubkultur zu leben

*       Raum für linke Ideen zu schaffen

*       Die rechten Skinheads zu bekämpfen

*       Die Beziehung zwischen Arbeiterklasse, multikultureller Skinheadkultur und linker Bewegung zu verbessern

*       Die Verteidigung gegen Rechts zu organisieren *       Sich als eigenständige antirassistische Skinheadorganisation in der linken Bewegung zu partizipieren

*       Die linke Vision von RASH klar zu machen

*       Party zu machen

Um diese Ziele zu verwirklichen, arbeiten die RASH Mitglieder auf unterster lokaler Ebene mit Gleichgesinnten zusammen; dies stellt die Basis des Netzwerkes dar. RASH veranstaltet politische Diskussionen, gibt eine Zeitschrift heraus, organisiert Konzerte und Partys. RASH solidarisiert sich mit dem Gay Skinhead Movement sowie mit Knastinsassen. Sie verbreiten ihre Informationen z.B. übers Internet. Nur linke Skinheads können Mitglieder werden, indem sie nach 6 Monaten Probezeit gewählt werden. RASH Gruppen gibt es in Nord- und Südamerika, Europa und in der Karibik.

RASH in Deutschland

In Berlin gibt es eine RASH-Organisation, welche 1995 von ca. 50 Redskins gebildet worden ist. Sie geben die Zeitung "Revolution Times" heraus und arbeiten mit der autonomen Szene zusammen, beispielsweise bei Aktionen wie der 1. Mai-Demo. RASH International beschwert sich über die Skinheadbewegung Deutschlands, da zu viele Skins apolitisch bzw. rassistisch sind. Außerdem sind einige Redskingruppen beispielsweise in HH, Mönchengladbach, Braunschweig oder Gießen zu unorganisiert bzw. zu zersplittert, um einheitliche Redskinkultur zu verbreiten. Zudem ist in der BRD innerhalb der Skinheadbewegung die Toleranz für rassistische Skinheads zu hoch.



S.H.A.R.P.

S.H.A.R.P. (Skinheads against racial prejudice) wurde im Mai 1988 in den USA ins Leben gerufen. Diese Organisation wurde zur Abgrenzung gegen die rechtsgerichteten Skinheads gegründet. Im November 1988 las der englische Sänger der Band "The Oppressed", Roddy Moreno ein Flugblatt der Sharp-Skins. Begeistert von dieser Idee und der Möglichkeit sich anderen Skins gegenüber abzugrenzen, trug er diese Idee nach Europa. So erfolgte eine Umorientierung von Teilen der europäischen Skinheadszene. Für Moreno bedeutete die Sharp-Gruppe "Zurück zu den Wurzeln". Ein Skinhead könne schließlich kein Rassist sein, da er sonst seine Wurzeln in der schwarzen Kultur leugne.In Deutschland wurde Sharp erst im Juli 1989 bekannt. Das Fan-Magazin Skintonic veröffentlichte zu diesem Zeitpunkt erstmals einen Artikel über Sharp-Skinheads. Von nun an machte sich das Magazin zum Sprachrohr der Sharp-Bewegung. Skintonic bestand weiterhin auf seine politische Unabhängigkeit, aber auch auf eine antirassistische Grundhaltung. Viele der "Alt-Skins" sahen nun die Möglichkeit sich wieder als Skinheads in der Öffentlichkeit zu zeigen, da sie sich durch Sharp von den Nazi-Skins abgrenzen konnten. In Ausgabe 10 von Skintonic sagt Gerald Machner, Mitglied der Gruppe " No Sports": "... wir unterstützen Sharp, um dem zunehmenden Rassismus etwas entgegenzusetzen... nichts dumpfes, politisches, sondern ein Lebensgefühl!" Damit beschreibt Machner, worauf es den Sharp-Skins ankommt. Es geht nicht um "die Politik", sondern um ein Lebensgefühl. Viele der Sharp-Skins sagen von sich, dass sie unpolitisch sind.Allerdings gibt es auch kritische Stimmen zu den Sharps. Eine von ihnen kommt von der Gruppe "Slapshot", die die Frage stellt, wo der Unterschied zwischen einer Sharp-Gang und einer Nazi- Gang ist. Schließlich schlagen beide Gangs Leute zusammen, die ihnen nicht passen. "Slapshot" räumt allerdings ein, dass es gute und schlechte Gewalt gibt. Sie bezeichnen die Gewalt als gut, die gegen Rechtsradikale gerichtet ist.

Durch das wachsende öffentliche Interesse an der Skinheadszene wurde diese zu einer Modeerscheinung. Es gab einem die Möglichkeit, kurze Haare zu tragen und trotzdem kein Nazi zu sein. Dieses stieß bei den "Alt-Skins" natürlich auf Ablehnung, sie distanzierten sich wieder von den Sharps. Erst im Laufe der Zeit verschwand diese Modeerscheinung in der Bevölkerung und die Skinheads konnten ihr Lebensgefühl wieder unabhängig von einer politischen Modeerscheinung genießen.

Noch ein paar Links:

Trailer »This is England«
Homepage »This is England«
This is England auf Wikipedia
Internet Movie Database

hier kann man sich auch einen ausschnitt aus »skinhead attitude« ansehen, in dem der sänger der band »the opressed« erklärt, warum skinheads nicht rechtsextrem sein können, zumindest nicht im urprünglichen sinne:

ausschnitt aus skinhead attitude ansehen

dieser film lief irgendwann auch mal auf arte glaube ich

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Aktualisiert ( Donnerstag, 04. Februar 2010 um 20:30 )